Aspekte II
Es gibt bei Aspekten auch noch andere Perspektiven.
Ein Aspekt ist erschaffen worden, von dem Bewusst-SEIN das ICH BIN für Erfahrungen, hier. Dabei kann ich ein ganzes Leben als einen Aspekt sehen, aber auch einen Teil der bestimmte Erfahrungen gemacht hat. Dieser "Aspekt eines Lebens" ist eine Bündelung aller Erfahrungen dieses Lebens, ich kann es also auch ein Sammelgefäß einer immens großen Summe von Aspekten nennen.
Darunter sind viele, die uns gelehrt haben aufzupassen, vorsichtig zu sein, weil ... ja weil eben entsprechend viele Erfahrungen gemacht wurden, wie zum Beispiel seine Meinung lieber nicht zu sagen, weil das so oft schlimme Konsequenzen hatte. Das war bei mir so.
Ich hab in jungen Jahren andere bewundert die so unverblümt ihre Meinung sagen, was ich mich niemals getraut habe und ich erinnere mich an einen Moment, wo ich einen Film sah, in dem eine Frau im Kerker saß (das spielte in früheren Zeiten) und die Herren beschimpfte und ich erschrak und mich durchzuckte der Gedanke "Meine Güte, sei still, die bringen dich um !" und im nächsten Moment staunte ich darüber - weil, woher kam das?
Na klar, heut weiß ich, ich hab das nicht nur einmal erlebt. Ich war auch mal so - sagte, was ich dachte, wurde dafür gefoltert und getötet. Und schon hab ich da einen Aspekt der mich jedesmal still sein ließ, weil - nur ja nicht auffallen - war mein Impuls. Damals wusste ich noch nichts über Aspekte, inzwischen ist das gelöst.
Und wir haben unzählige solche Erfahrungen, jedenfalls die, die schon oft hier waren, so wie ich.
Wer das nicht weiß, der wird oft genug von solchen "Emotionen" gesteuert ohne sich dessen bewusst zu sein. Man reagiert, meist unbewusst, weil uns eben in allen möglichen Situationen Aspekte steuern. Immer wo ein Empfinden da ist "das kann ich nicht" oder urplötzlich Ängste da sind bis zur Panik die manchmal jeder nüchternen Betrachtung spotten, was einem dann vielleicht sogar klar wird, sind Aspekte am Werk. So wie bei mir damals, bei dieser Szene in dem Film, wo ich erschrak und mich gewundert habe, woher ich so etwas habe. In diesem Leben gab es so etwas ja nie, und weil ich solche Beobachtungen öfter hatte war mir schon bald klar, das kann alles nicht aus diesem Leben sein, also muss es aus anderen Leben sein.
Und meistens fühlt sich das an wie dem ausgeliefert sein. Ob ich es nun irrationale Ängste nenne, oder anders, es sind Aspekte, Teile die alle zu mir, meinem Sein, gehören.
Nun können diese allerdings sehr hartnäckig sein, und da entsteht dann doch mal das Gefühl, man sei dem ausgeliefert, weil was soll ich tun?
Annehmen, klar, nicht dagegen ankämpfen (das hat nämlich nie funktioniert), wieder integrieren, doch oft gehts nicht so einfach, selbst bei denen, die schon viel wissen.
In dem Buch "Der Rote Löwe" von Maria Szepes (PiperVerlag, ISBN978-3-492-28543-8) gibt dazu eine interessante Stelle. Darin geht es um eine Tonstatue, lebensgroß, die Cornelius, um den es da geht, mit Leben erfüllen soll, denn er möchte zum Magister werden, zum Eingeweihten.
Er arbeitet 3 Jahre lang daran, und schafft es auch, doch der Kyilkhor (so bezeichnet man diese auf tibetisch) wird launisch, bis böse, und beginnt Cornelius zu bedrohen. Und der weiß nicht was er tun soll, er erhält dann von Graf Saint Germain, in dessen Dienst er länger stand, einen Brief, in dem er ihm schreibt "Töte ihn! Sonst wirst du zu seinem Sklaven. Dies ist ein wichtiger Teil zu lernen, die Schöpfung, die du erschaffen hast, wieder aufzulösen, zu entschaffen. Doch du darfst sein Blut nicht vergießen." (Kurzfassung, nicht wörtlich, lach).
Nun beginnt er also dem Kyilkhor seine Kraft zu entziehen, doch das ist schwieriger als gedacht. Nach Wochen wird Cornelius immer schwächer, der Kyilkhor jedoch ist kräftig, er lebt ja von seiner Lebenskraft. Schließlich gibt Cornelius auf, es ist ihm egal, er setzt sich mit dem Kyilkhor in sein Zimmer, ist nur noch müde. Und er fällt in einen Traum, in dem er das Zimmer doppelt sieht, wie in einem Spiegel, einmal so wie es ist, im Schatten, einmal im Licht. Dort sitzt jemand der genau wie Cornelius aussieht aufrecht, gesund, kräftig. Da erhebt sich der Kyilkhor im Schattenzimmer und legt seine Hände um den Schlafenden, und Cornelius will rufen, er soll wach werden, denn der Kyilkhor wird ihn töten, doch er kriegt keinen Ton raus. Und sein Ebenbild im Lichtzimmer bedeutet ihm, still zu sein, und fragt ihn dann, wie denn etwas, das nicht existiert, ihn töten könnte. Etwas, das nur auf seinem Glauben basiert, das von ihm lebt, dessen Blut sein Blut ist, dessen Leben sein Leben ist.
Da versteht Cornelius, wie einfach es ist - er sagt dem Kyilkhor dass er auf seinen Platz zurück soll, dass er ihm alles entzieht weil er nicht länger existiert. Und der Kyilkhor wird wieder zu der Statue, die er war.
Wie gesagt, das ist die Kurz-kurz-Fassung, doch ich finde es so passend zu dem was unsere Aspekte sind.
Und vielleicht, wenn wir uns von solchen Dingen(Aspekten) genervt fühlen, gegängelt, ausgeliefert - vielleicht denken wir dann mal daran, was sie sind, nämlich nichts anderes als ein Kyilkhor, den wir auch auflösen können, wenn wir uns dessen bewusst sind. Unser ICH BIN hat ihn erschaffen, um Erfahrungen zu machen, doch wenn die Essenz, die Weisheit der Erfahrung integriert ist, kann er aufgelöst werden. Was nichts anderes heißt, als dass er wieder zurück geht, seine Energie frei gegeben wird.
Damit ist er integriert, angenommen, gelöst.
