Der Holzkreisel, oder was unterscheidet den Meister von anderen
Für Menschen ist das Leben so, das sie immer angetrieben werden, mit dem was tun sollen, müssen, und auch wollen. Der Tag ist ausgefüllt mit Dingen, die erledigt sein wollen, und mit Dingen, die uns beschäftigen, ärgern, freuen, nerven, die wir auch genießen und all die anderen Möglichkeiten.
Mir kommt es vor wie ein Kreisel, so ein Holzkreisel, den man mit einer Schnur angetrieben hat, so ne Art Peitsche, um ihn am laufen zu halten, so lange wie möglich. (wers nicht kennt hier link )
Und es ist sogar so dass da viele Peitschen sind - Arbeit, Familie, Freunde, Hobbys. so kommt es auch zum dem Ausdruck "getrieben sein", das heute doch viele empfinden.
Doch dann passierts, der Kreisel wird langsamer, und schließlich kommt er ins trudeln und dann fällt er um, liegt da und NICHTS bewegt sich mehr und was ich ausbreitet ist ein Gefühl der Leere.
Auf der menschlichen Ebene nennt man das dann z.B. eine Depression und nun versucht man meistens wieder in eine Drehung zurück zu kommen, mit ein wenig weniger Peitschen, damit es nicht so heftig ist.
Es gibt aber auch ne andere Möglichkeit.
Nicht versuchen da heraus zu kommen - sondern den Kreisel liegen lassen und sich das anschauen, akzeptieren was ist. Wenn die äußeren Dinge wegfallen, dann bin ich auf mich selbst zurückgeworfen. Wenn die ganzen Ablenkungen, die den ganzen Tag lang stattfinden, wegfallen, dann bin ich mit mir alleine. Das ist oft das, was am schwersten zu ertragen ist. Da haben manche lieber ein Drama das stattfindet, als mit sich selbst alleine zu sein.
Vielleicht ist es das Schwierigste dass ein Mensch je tun kann. Und vielleicht gibt es auch andere Wege, um zu sich zu kommen. Ich empfinde es jedoch so, dass es wichtig ist, weil dann nur die Essenz dessen, was ich bin, übrig ist.
Der Kreisel liegt also am Boden, da sind keine Peitschen mehr, die ihn antreiben. Reglos liegt er da, vermeintlich unfähig, sich zu bewegen. Doch nun passiert etwas magisches: der Kreisel richtet sich von alleine auf und beginnt sich zu drehen, zu tanzen, und zwar in jede Richtung, die er will, und so wie er es will - nicht mehr so, wie die Schnur es ihm befohlen hat.
Aus sich heraus, aus sich selbst heraus, aus seiner Entscheidung heraus, und der Erkenntnis, er kann das !
Und das ist, was einen Meister von anderen unterscheidet.
Ich weiß nicht ob alle durch diese Leere gegangen sind. Kuthumi erzählte darüber, und auch das diese Leere schlimmer war als alle seine Dämonen.
Ich behaupte, mich selbst kann ich nur in dieser Leere finden. Vorher ist alles mit unzähligen Lagen zugedeckt, eben all die Dinge mit denen wir so tagtäglich zu tun haben. Alles das beschäftigt uns, lenkt uns ab, von uns selbst. Erst wenn das nicht mehr da ist, kann ich beginnen, MICH zu sehen, in der Stille, in der Ruhe, in mir, in diesem NICHTS um mich - weil da keine Ablenkungen mehr sind.
Und das fühlt sich zuweilen wie ein mächtiger Kater an, weil meine vernebelte Sicht langsam klar wird, weil ich langsam aus diesem Zustand der sehr eingeschränkten Wahrnehmung auftauche. Dem entsprechend könnte ich es eine Jahrtausende oder Jahrhunderttausende lange Sauftour nennen, lach, all die Inkarnationen die ich hatte, immer tiefer und tiefer hinein getaucht in das Leben hier, und immer mehr vergessen dabei, woher ich komme, und warum ich überhaupt hier bin.
Ich hab aufgehört den Dingen hier hinterher zu laufen, weil sie alle langweilig geworden sind. Ich hab nen Kater, mit Kopfschmerzen, und einem zuweilen ziemlich elenden Gefühl in mir, weil ich wach werde, weil ich - viel wichtiger - KLAR werde.
Einfach ist es nicht. Doch wer einmal diese Entscheidung getroffen hat, kann nicht mehr zurück.
Es fällt so lange alles weg, bis ich nackt da stehe, ohne alles. Nur ich. Weil es das ist, worum es geht. Mich zu finden. Pur, rein, ohne allen Schnickschnack.
Und wir haben es schon mal erlebt - als wir aus der Einheit heraus sind. Als wir uns gelöst haben von Zuhause, als wir hinaus ziehen wollten, Neues zu finden, als es uns durch die Feuerwand hindurch schleuderte ins NICHTS hinein. Da war es nicht mal dunkel, da war NICHTS, nur ich selbst. Es war die wohl tiefste, und auch erste traumatische Erfahrung. Damit hatten wir nicht gerechnet. Und mit unserem ersten Atemzug im Nichts begann diese umfassende Erfahrung, die uns zur Erde brachte, um zu verstehen wer wir sind. Und am Ende davon schließt sich der Kreis, in dem wir alles das hinter uns lassen, die ganzen Dinge die so wichtig scheinen, ablegen wie einen viel zu schwer gewordenen, aus unzähligen Schichten bestehenden Mantel, der zerschlissen ist, dessen Taschen vollgestopft sind, und den wir kaum noch tragen können. Und er muss erst so schwer werden, weil wir Menschen so sind - erst wenn der Druck groß wird, beginnen wir etwas zu ändern. Erst wenn wir merken, wir können so wie bisher nimmer, dann lassen wir los. Mehr oder weniger. Das entscheidet jeder selbst.
Doch diesmal ist es anders, denn ICH bin angefüllt mit der Essenz all dessen was ich erfahren habe. Der alte Mantel zerfällt, doch alles, was ich gesammelt habe, die Essenz davon, nehme ich mit, integriert in mich. Es ist nicht zu sehen, und es gibt auch keine äußeren Anzeichen.
Ich beginne klar zu werden, mir klar zu werden. Die alten Dinge will ich nicht mehr, und was es anderes gibt weiß ich noch nicht. Doch mir wird hier und jetzt sehr deutlich, das alles, was ich jemals haben werde, ich selbst bin.
Nur ich.
Und so schwimme ich momentan in diesem Nichts, das ein Meer aus allen Möglichkeiten ist, aus allen Potentialen, und ich weiß, darin sind etliche Dinge die ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann. Und ich hab alle Zeit der Welt weil ich ein ewiges Sein bin, es gibt keine Eile, ich kann in aller Ruhe bei mir sein, und mir dann aussuchen, welche der Möglichkeiten ich wähle.
Ich nenne es den 3. Schöpfungskreis.
PS: wen die Geschichte interessiert, von zuhause bis hierher, es gibt ein Buch link, im englischen Original heißt es "Journey of the Angels" - also die Reise der Engel, was ich passender finde.