Trösten
Zuerst hielt ich es für ein Phänomen, das ich nichts tröstendes mehr hören wollte. Genau so wie mir "gute Ratschläge" auf den Keks gehen.
Nun ist es bei den "guten Ratschlägen" klar, weil, wenn ich meine jemandem sagen zu müssen was er tun sollte, was gut für ihn ist, dann erkläre ich denjenigen damit für nicht fähig mit seinen Dingen umzugehen. Ich weiß es ja besser - sonst müsste ich doch nichts sagen. Daran ist vor einiger Zeit ne Freundschaft zerbrochen, weil eben eine Freundin meinte sie wüsste was ich tun muss, was wichtig für mich ist, unbedingt .... und ich ihr immer wieder sagte, ich will das nicht.
Doch mir liegen auch so gut gemeinte Worte wie "das wird schon wieder, morgen ist ein neuer Tag, morgen sieht die Welt wieder anders aus" wie ein Stein im Magen.
Das ist etwas worauf ich ziemlich empfindlich reagiere, und ich fragte mich, warum.
Weil es die gleiche Energie ist, die dahinter steht, wie die, wenn ich Ratschläge gebe. Wobei es hier um ungefragtes geht - nicht wenn jemand fragt, und einen Rat oder Trost haben will!
Es geht hier um die Momente wo sowas einfach reinflattert, heute fast immer als email. Weil ich z.B. einen momentanen Frust ausgedrückt hab, oder vielleicht auch einfach das Leben mal wieder so nervig finde das ich mich frag, was will ich hier noch.
Huh - und gleich soll ich das bearbeiten, das darf ja nicht sein, oder, siehe oben. Das wird schon wieder, wirst sehen ...
Warum, warum kann das nicht einfach so stehen bleiben? Warum kann ich nicht ehrlich sagen was ich fühle, was ist daran denn schlimm?
Im Grunde ist es das Problem desjenigen der da meint mir was angedeihen lassen zu müssen - blöd und kompliziert ausgedrückt, aber es ist ne verdrehte Energie, die wir ohne es zu ahnen übernommen haben.
Passend wäre etwas in der Art:
aha, ich verstehe, dir kommt mal wieder was hoch, oder da zeigt sich ein Aspekt, und gut, wenn er sich zeigt, denn du veränderst dich, wunderbar. Solltest du mich brauchen, zum reden, oder wie auch immer, sags, ich bin da.
Aber, wir sind so konditioniert dass wir anspringen, vielleicht weil wir es selbst nicht ertragen, vielleicht weil wir helfen wollen, trosten wollen, weil man das ja so macht, vielleicht weil ich es unangenehm finde, oder meine es müsste geändert werden. Der Gründe gibt es viele - und jeder ist Makyo.
Es zeigt mir, das ich eventuell mal bei mir schauen sollte, warum ich meine ich müsste, sollte ...
weil
JEDER IST EIN SOUVERÄNES WESEN ! Jeder !
Ich brauch bei gar niemandem was ändern, bei niemandem was sagen was er tun sollte, bei niemandem was schönreden, oder ihm Mut machen (AUSSER ER WILL ES !!!! Das ist ganz wichtig dass zu unterscheiden)
Wenn ich das tue, vermittle ich immer, derjenige kann es nicht selbst, er ist nicht in der Lage sich entsprechend ... ( da kann alles rein) und deshalb braucht er meine Hilfe.
Mal ehrlich, wer mag sowas?
Ich nicht, und inzwischen kann ich da echt zickig werden, weil ich mich nicht ernst genommen fühle, weil man mir anscheinend nicht zutraut, dass ich das selbst hinkriege, erledige, löse oder wie auch immer. Und selbst wenn mein Frust übers Leben mal so weit gehen sollte, das ich gehe ist es absolut in Ordnung, es ist kein Versagen, es ist nur ein nicht verstehen und vor allem ein NICHT ACHTEN desjenigen, das der sein eigener Schöpfer ist und ganz sicher weiß, was er tut, selbst wenn er als Mensch unbewusst ist.
Es gibt keine Fehler.
Es gibt unzählig viele Wege der Erfahrung und des Erkennens, und JEDER Weg ist richtig !
Und jeder geht den Weg durch seine Erfahrungen in seinem eigenen Tempo, mit seinen eigenen Vorgehensweisen, und jedem steht es zu, zu stolpern, traurig zu sein, oder auch wütend, oder was grad da ist.
Alles gehört zu uns, alles, ausnahmslos, und wir sollten bereit sein alles anzunehmen. Dann kann ich alles so sein lassen wie es ist, bei jedem, das ist Achtung vor dem anderen.
Nebenbei - mein nicht so sehr am Leben hängen hat einen immensen Vorteil - es zieht mich nicht so tief hinein, ins Massenbewusstsein, weil ich immer sozusagen ein wenig Abstand dazu habe. Auch das war so gewollt - sonst wäre es anders. Meine Seele weiß schon was sie tut.
Ich werde mir wohl besser anschauen wann ich was sage, und wem ich WAS sage. Aber ich werde dabei bleiben auszudrücken, wie ich mich fühle, was gerade ist, nichts beschönigen, nichts unter den Teppich kehren, weil alles da sein darf. Bei mir jedenfalls.